30. September 2006
23:45

Kategorien: Irgendwas
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by momo
4 Kommentare

Lebe wohl, Herr Maus

Gestern Abend etwa um diese Zeit hauchte meine letzte verbliebene Mongolische Rennmaus den letzten Atemzug ihres Lebens aus. Mindestens dreieinhalb Jahre alt wurde das naturfarbene (agouti) Männchen und war bis zuletzt quietschfidel. Trotz einer ziemlich dicken linken Backe. Ich vermutete ein Geschwür, das zu behandeln ich in dem hohen Alter für Quälerei hielt und halte. Also beobachtete ich Herrn Maus’ Entwicklung, und es ging ihm gut. Er magerte ab, also fütterte ich viel leicht knabberbares Zeug wie Haferflocken, vorgeknackte Sonnenblumenkerne, Salat und Apfel. Aber auch seine feinen Sämereien aus der Futtermischung (Vogelfutterhirse) fraß er noch.

Vorgestern habe ich noch mit ihm gekuschelt, ihm Apfel gegeben und ihn gekrault, was er immer sehr genoss, seit er allein war. Auch die verklebten Augen putzte ich ihm. Gestern Mittag fand ich ihn dann unter seiner Schlafpapprolle (ein recht dickes, schweres Teil). Dummer Kerl, er hatte sich drunter gewühlt! Völlig entkräftet war er und schon sehr ausgekühlt. Da wusste ich: Er geht. Ich habe ihn mit einer alten Socke, die er zeitweise als Schlafsack benutzte, in eine Transportbox gesetzt und zu mir auf den Schreibtisch genommen. Habe ihn noch gekrault, mich verabschiedet. Die Backe war gar nicht mehr dick, komisch. Dann war es wohl doch kein Geschwür, sondern eine Entzündung. Was auch den Schleim und dessen Konsistenz in den Augen am Vortag erklärte. Die Entzündung muss irgendwie aufgebrochen und ausgelaufen sein.

Herr Maus genoss jede Streicheleinheit – bis er plötzlich nicht mehr darauf reagierte. Doch er atmete noch. Das war für mich der schlimmste Moment. Zu wissen, er lebt noch, aber nimmt kaum mehr etwas wahr. Er wollte gehen, aber er wollte doch nicht loslassen.

Da ich mich aber nun einmal verabschiedet hatte (ich wusste ja schon seit einigen Wochen, dass er nicht mehr allzu lange dauern könnte) und es mir unerträglich wurde, ihn bei mir zu haben und zu sehen, wie es zuende geht, brachte ich Herrn Maus wieder ins Wohnzimmer, wo er in Ruhe einschlafen möge. Wollte er aber nicht. Abends musste ich weg und sah ein letztes Mal nach Herrn Maus. Er atmete noch immer. Himmel! Das tat weh, sehr weh. Sollte ich ihn erlösen? Nein, er wirkte so friedlich und entspannt. Ich ließ ihn einfach in Frieden. Ich hatte mich verabschiedet, wenn ich wiederkomme würde er sicher gegangen sein. Dachte ich. Falsch gedacht! So hatte Kai noch die Möglichkeit, sich von Herrn Maus zu verabschieden. Als hätte dieser nur darauf gewartet, hat er dann endlich etwa eine Stunde nach Kais Ankunft zuhause losgelassen und aufgehört zu atmen.

Lebe wohl, Herr Maus, es war schön mit Dir!

4 Kommentare zu: Lebe wohl, Herr Maus

1. Oktober 2006
15:25

by Sherry aka Darya

Aua, das tat weh…

1. Oktober 2006
16:52

by Wapiti

Ach mensch, da kommen mir doch tatsächlich die Tränen beim Lesen! Aber schön hat ers gehabt bei euch, der Herr Maus, und er durfte auch schön einschlafen. Mehr kann man dem Tier und auch euch nicht wünschen.
Fühl Dich mal gedrückt.

Alles Liebe,
Wapiti

2. Oktober 2006
10:14

by Lars

Das klingt wirklich traurig. Da ist ein lieb gewordener Hausbewohner nun nicht mehr da. Da mag noch so klar sein, dass dies irgendwann einmal passieren muss – wenn es geschieht macht es die Sache um keinen Deut besser.

2. Oktober 2006
11:31

by Julia

Liebe Nike,

fühl Dich mal ganz lieb geknuddelt – ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es mir so ergangen ist, als meine Mäuse & Hamster ihr Leben aushauchten. Martiny, die ich wegen der vielen Krebsgewschüre sogar einschläfern lassen musste. Oder Aladin, das Meerschwein meines Bruders, der auch offenbar ewig leben wollte…

Herr Maus hatte ein wunderschönes Leben bei Dir, so viel ist sicher. Schade, dass Du ihn in Berlin vermutlich nicht beerdigen kannst – wenn ich überlege, wie viele “Gräber” es im Garten meiner Eltern so gibt.

Magst Du Dir denn neue Vierbeiner zulegen? Eine Nike so ganz ohne Kuschelmäuschen kann ich mir gar nicht so recht vorstellen. Und mal ehrlich: Die PC-Mouse ist KEIN angemessener Ersatz!


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