16. Mai 2007
16:45

Kategorien: Bücherwurm
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by momo


»Lautlos«

Nachdem ich letztes Jahr doch ziemlich angetan und sogar begeistert war von Frank Schätzings Wissenschaftsthriller »Der Schwarm«, wollte ich dann auch seinen bereits früher erschienenen Roman »Lautlos« lesen. Beendet habe ich ihn nun vor einigen Tagen. Er liest sich gut, ist alles in allem recht spannend, aber er hat mich bei weitem nicht so gefesselt wie der Schwarm. Das mag daran liegen, dass mir die naturwissenschaftliche und da insbesondere die biologische Materie des Schwarms einfach deutlich mehr liegt und natürlich aufgrund meiner Ausbildung auch verständlicher und präsenter ist als es der doch eher geschichtliche und politische Hintergrund von Lautlos ist.

In diesem Buch geht es um einen Anschlag, der vor dem Hintergrund des Kosovo-Krieges und des hierzu in Köln stattfindenden Friedensgipfels verübt werden soll. Der Roman ist hierzu in Phasen eingeteilt. Phase 1 beschreibt (mit Zeitsprüngen) die Vorbereitungen des Anschlags auf der einen und den Beginn des Gipfels auf der anderen Seite. Es ist zwar immer das Datum samt Ort angegeben, doch finde ich diesen Teil aufgrund der Zeitsprünge (und mangels effektiven politischen und geschichtlichen Hintergrundwissens) ziemlich anstrengend zu lesen. Phase 2 beschäftigt sich mit wenigen Tagen vor und rund um den Gipfel und mit einzelnen Personen und Örtlichkeiten. Ab hier fand ich es deutlich leichter, dem roten Faden zu folgen. Phase 3 und 4 beschäftigen sich mit dem Anschlagtag selbst. Um nichts zu verraten, kann ich hierzu nicht mehr schreiben.

Das Buch enthält durchaus einige nicht unbedingt (so) vorhersehbare Wendungen, die einen ziemlich fesseln können. Nachdem ich für die erste Hälfte des Buches doch recht lange gebraucht hatte, ging das letzte Drittel dafür sehr flott. Allerdings habe ich hier keine netten Zitate anzubieten, weil sie mir einfach nicht im Gedächtnis geblieben sind (was auch bedeutet, dass sie nicht so prägnant waren wie die zwei im Post zu »Der Schwarm« vorgestellten.

Trotz des zähen Beginns, der sicherlich zu einem Großteil meinem mangelnden Wissen von und Interesse an Politik und Geschichte geschuldet war, habe ich es nicht bereut, das Buch gekauft und gelesen zu haben. Es ist durchaus spannend, wenn man sich mal eingelesen und auch die (für mich zumindest) anstrengenden geschichtlich-politischen Passagen erfolgreich gemeistert hat. Dennoch ist es kein Vergleich zu Schätzings Schwarm, den ich gerne noch ein- oder zweimal lesen werde. Lautlos hingegen reicht mir nach einem Durchgang. Ich kann es aber trotzdem weiterempfehlen an Leute, die Schätzings Schreibstil mögen und sich vor etwas komplizierteren Verwicklungen nicht scheuen.

3 Kommentare zu: »Lautlos«

23. Mai 2007
13:05

by Lars

Wenn ich mir dies so durchlese, dann kann ich mich ja eines Komentares nicht enthalten… zumal ich ja ebenfalls beide Buecher (auch in der gleichen Reihenfolge) gelesen habe.
Was den angesprochenen Aspekt der recht komplexen, teils parallel laufenden Handlungsstraenge betrifft, so kann ich beileibe nicht behaupten, dass dies ein Nachteil ist; statt einem Strang zu folgen und zu einem spaeteren Zeitpunkt einen anderen nachzureichen, laesst sich auf diese Weise wunderbar der Effekt des gegenseitigen Wettrennens verstaerkt. Dies ist keine aussergewoehnliche Technik, sondern findet sich in vielen vergleichbaren Romanen; in besonderer Weise fiele mir da Crichton oder Clancy ein, welche dies ebenfalls meisterhaft beherrschen. Die Zeitangaben verstaerken dabei den Real-Time Effekt und sollte auch aus einer Vielzahl Fernsehserien bekannt sein; dies ist besonders nuetzlich, wenn Erzaehlzeit und erzaehlte Zeit beinahe identisch sind.
Sicherlich hat “Lautlos” eine deutlich staerkere politische Komponente, als dies bei “Der Schwarm” der Fall ist; gerade aber die Fiktionalisierung eines realen Geschehens bietet dabei einen besonderen Reiz. Der Leser weiss (wenn er dem Tagesgeschehen einigermassen gefolgt ist), wie der grobe Ablauf der historischen Ereignisse war, so dass man sich angesichts der fiktionellen Abschweifungen zu fragen beginnt, wie der bekannte Ablauf erhalten bleiben kann - sicherlich ein Aspekt, welcher zu der Spannung des Buches beitraegt. Was die natuerwissenschaftlich/technische Komponente des Buches betrifft, so moechte ich doch darauf hinweisen, dass “Lautlos” tief in die Kiste der Laser-Physik greift; das mag fuer Biologen vielleicht nicht ganz so spannend sein, aber mit ein wenig Hintergrundwissen in der Richtung ist dies ausreichend Material um waehrend des Lesens die eigene Phantasie zum Spekulieren einzuladen, was denn als naechstes passieren kann.
Wie so ueblich bei einem Roman derartigen Umfanges, gibt es Strecken ueber welche die Handlung ein wenig langsamer verlaeuft als dies bei anderen Passagen der Fall; insofern ist dies in beiden Schaetzing Romanen der Fall (ja, auch “Der Schwarm” hat mitunter Laengen). Unterschiedlich ist wohl, dass beide Romane zwischenzeitliche Hoehepunkte und Verdichtungen leicht unterschiedlich verteilen: “Der Schwarm” verlaeuft da mehr wellenfoermig, waehrend “Lautlos” mehr auf die Verdichtung am Ende hinarbeitet.
Also noch einmal: die Komplexitaet ist sollte keinesfalls abschrecken sondern als eine Herausforderung gesehen werden. Schliesslich ist es nur schwer dem Leser viel Spannung zu bieten, wenn zu durchsichtig ist, was als naechstes passieren wird.

23. Mai 2007
14:30

by momo

Lieber Lars,
ich habe zu keiner Zeit davon gesprochen, dass parallel verlaufende Handlungsstränge einen Nachteil darstellen! Ich habe vielmehr die in Phase 1 gebrauchten argen Zeitsprünge (Beginn der Anschlagsplanung im November 1998 vs. Ankunft erster Charaktere in Köln im Juni 1999, immer wieder wechselnd) als äußerst anstrengend empfunden. Hier wäre die Behandlung der späteren Abschnitte (Juni 1999) beileibe kein »Nachreichen« gewesen! Es mag ein legitimes Stilmittel sein, doch mir sagt es nicht recht zu. Anders ist es, wenn man die Vorbereitungsphase als Rückblende verstände, doch das habe ich beim Lesen nicht. Dazu hätte Schätzing sein Buch mit Juni 1999 beginnen müssen (damit ich’s so verstanden hätte).
Wie gesagt, das ist mein höchstsubjektiver Eindruck, der mir das Lesen zu Beginn des Buches aber erheblich erschwert hat.

Wer sagt übrigens bitte, Laser-Physik sei für Biologen nicht spannend? Tse! Ich mag zwar immer von mir behaupten, ich hätte keine Ahnung von Physik, aber fürs Nachvollziehen des hier dargelegten Stoffes reicht’s denn doch grad noch so. *g* Ich kann allerdings (natürlich) nicht beurteilen, wie qualifiziert und gut recherchiert diese Materie ist, doch gehe ich aufgrund der Erfahrungen mit »Der Schwarm« einfach davon aus, dass sich Schätzing auch hier entsprechend informiert haben wird, um alles so realistisch wie möglich darzustellen.

Um es noch einmal klar zu sagen: Ich rate keineswegs von dem Buch ab, ich wollte nur darauf hingewiesen haben, dass man sich eventuell auf einen etwas anstrengenderen Lesestoff (nicht nur vom Inhalt, sondern auch vom Aufbau) gefasst machen sollte, wenn man »Lautlos« lesen will.

3. Juni 2007
11:15

by Careau

Na,
jetzt greife ich erst recht zu beiden Büchern (gerne auch in dieser Reihenfolge)!
“Tod und Teufel” liegt zwar eigentlich griffbereit neben mir (wohl eher ein Stück für rheinische Lokalpatrioten und vielleicht eine nette Exkursion in die Tiefen der Kölner Stadtgeschichte), aber jetzt machen mich die beiden von Euch diskutierten Bücher eigentlich noch neugieriger…
Komplexität schreckt mE keineswegs ab. Und vor der Laserphysik habe ich auch keine größeren “Ängste”. Schätzing sollte es doch schaffen, auch Juristinnen gewisse Dinge zu vermitteln… (?)
Auch wenn ich zur Zeit eher wenig Zeit zum Lesen habe - Buchtipps sauge ich dennoch auf wie ein Schwamm!
Caro


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