11. Juli 2008
16:23

Kategorien: Bücherwurm & Computerei
Tags: ,

by momo


»Typo digital«

Da ich mich ja neben Textsatz und Typographie auch ein bisschen für Webdesign interessiere (in dem Rahmen, den ich für die Gestaltung meiner Webseite und das Blog brauche und worüber ich so stolpere), habe ich mir in einem Anfall von Buchkauflust auch Typo digital von Veruschka Götz zugelegt. Dieses Buch ist ein krasser Gegensatz zu Jan Tschicholds Fibel für jedermann. Die Autorin predigt die Beachtung von Lesbarkeit am Bildschirm und hält sich im selbstgestalteten Druckwerk doch so überhaupt nicht daran!

Das Buch mag vom Design her (für manchen) ansprechend sein (ich empfand es eher als Werbekatalog für Jugendliche), doch es wird dem eigenen Anspruch seines Inhaltes — Text lesbar zu gestalten! — meines Erachtens nicht einmal annähernd gerecht. Es wirkt laut, ja schreiend (ich lasse mich nicht gerne permanent über knapp 160 Seiten anbrüllen), unruhig und ist schwer lesbar. Die Grotesk Gill sans, aus der der Fließtext gesetzt ist, erscheint mir (die Serifenlose bei Druckwerken wenig mag) zwar erträglich durch die kurzen Zeilen, doch schwarze, kleine Schrift im Haupttextblock auf kapitelweise wechselnd farbigem, verhältnismäßig dunklem Hintergrund ist nicht nur äußerst anstrengend zu lesen, sondern eine Beleidigung für meine Augen. So straft die Autorin sich auf Seite 20 selbst Lügen:

Das Ziel jeder Textgestaltung sollte nicht nur ein optisch ansprechender Gesamteindruck, sondern auch eine optimale Lesbarkeit sein.

Setzen, sechs, Frau Götz, Thema in diesem Buch ganz klar verfehlt (auch wenn es im Abschnitt konkret um Schriftgrößen in der Typographie auf dem Papier geht, aber solche Grundsätze sind allgemeingültig)! Die optimale Lesbarkeit ist durch den deutlich verminderten Kontrast von eher kleiner, schwarzer Schrift auf unterschiedlich buntem Hintergrund schonmal nicht gegeben.

Zum Inhalt kann und mag ich hier gar nicht viel schreiben. Teilweise stimme ich nicht mit ihm überein, doch ich habe ja auch weder Typographie oder Textsatz noch Design studiert, treibe mich nur interessiert seit vielen Jahren im Netz herum. Allerdings finde ich das Buch derart anstrengend (nicht von der Sprache, sondern rein vom Lesefluss, dem Kontrast (schwarz auf bunt, Zitate in mittel- und hellgrau auf weiß) und der Anordnung der Elemente — Querformat, quasi … was soll das?), dass ich etwa in der Hälfte nun aufhöre und es wieder ins Regal stelle. Für mich ein klarer Fehlkauf, nicht lehrreich und nicht einmal nett anzusehen oder zu lesen. Mag es wer haben? Ich würde es gern wieder loswerden.

Veruschka Götz, Typo digital
ISBN: 3-499-61249-6
Rowohlt Taschenbuch Verlag

Ein Kommentar zu: »Typo digital«

11. Juli 2008
21:12

by GEM

Kannst du das nicht einfach wieder umtauschen?


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