Die Reise ins Land der Träume

Klaus war zehn Jahre alt. Er war ein aufgewecktes Kerlchen, das immer gute Ideen hatte. Doch dieses Jahr ist ihm einfach nichts eingefallen, was er seinen Eltern zu Weihnachten schenken könnte. Und am nächsten Tag war Heiligabend! Klaus war verzweifelt. »Bestimmt bekomme ich wieder viele schöne Geschenke, aber Mami und Papi kriegen nichts. Was mach' ich bloß?«

In dieser Nacht schlief Klaus sehr unruhig. Er träumte von einem schrecklichen Weihnachten: er fand doch noch Geschenke für seine Eltern, doch eine böse Hexe verwandelte alles in Asche, denn sie mochte Weihnachten nicht. Erschrocken wachte Klaus auf. Ihn fröstelte. Wenn das wahr würde!

Plötzlich klopfte jemand zaghaft ans Fenster. Klaus schreckte hoch, doch er konnte nichts erkennen. Er legte sich hin, aber schon kurz darauf klopfte es wieder, diesmal heftiger. Klaus stand auf und ging ans Fenster. Er öffnete es ... und starrte ungläubig hinaus in den Schnee: dort sah er eine winzige Gestalt über die weiße Pracht huschen. Es war eine Fee, die so groß war wie ein Bleistift. Sie hüpfte zu Klaus und sagte: »Na endlich! Du hattest einen Alptraum, nicht wahr?« Klaus nickte stumm. »Ich weiß auch über alles andere bescheid und möchte Dir gerne helfen. Aber dazu mußt Du mit mir eine Reise machen«, meinte die Fee. »Eine Reise?«, fragte der Junge entsetzt. »Keine Angst, Du bist nur ganz kurz weg, niemand wird es bemerken.« Die Fee hatte gemerkt, daß Klaus sich Sorgen gemacht hatte, nicht rechtzeitig zurück zu sein. »Wohin geht denn die Reise?« Klaus war neugierig geworden. Er betrachtete die kleine Fee, die schon längst auf sein Fensterbrett geflogen war. »Ins Land der Träume«, flüsterte die Fee. »Ins Land der Träume?« Klaus war fasziniert. »Schließ die Augen und konzentriere Dich«, sagte die Fee freundlich. Klaus gehorchte, und plötzlich saß er in einem Rentierschlitten, der hoch über den Dächern dahinflog. Als die Rentiere zur Landung ansetzten, erblickte Klaus etwas Merkwürdiges. »Das ist die Hütte der bösen Hexe«, erklärte die Fee. Du mußt sie davon abhalten, alle Geschenke in Asche zu verwandeln!« »Aber wie?« Klaus wußte nicht weiter. »Nimm ihr den Zauberstab weg!« befahl die Fee. Klaus gehorchte. Er schlich sich in die unheimliche Hütte und suchte nach dem Zauberstab. Zu seiner Erleichterung fand er ihn schnell. Er nahm und zerbrach ihn. Dann lief er zurück zum Rentierschlitten. Aber da erstarrte er vor Schreck: Der Schlitten war weg! Doch die Fee war noch bei ihm und meinte: »So, nun suchen wir noch Geschenke für Deine Eltern. Das können wir auch zu Fuß; es ist nicht mehr weit.« »Fein», sagte Klaus, und sie machten sich auf den Weg. Nach einiger Zeit kamen sie an einen Schuppen. Die Fee sagte: »Geh doch hinein und sieh Dich um!« Klaus öffnete das Tor und staunte: Der ganze Schuppen war voll von Spielzeug, Gebäck und vielem mehr. »Such Dir etwas aus«, brach die Fee das staunende Schweigen des Jungen. Klaus suchte sich ein wunderschönes Holzschiff für seinen Vater und wunderbar kuschlig weiche Hausschuhe für seine Mutter aus. Er drehte sich überglücklich um, um der Fee zu danken, doch die war verschwunden.

Plötzlich überfiel ihn eine entsetzliche Müdigkeit und er schlief ein. Als er aufwachte lag er zu Hause in seinem Bett. Klaus rieb sich die Augen – und erblickte zwei Pakete und einen Zettel, auf dem stand: »Frohe Weihnachten, Klaus, Deine Fee!« Klaus war überglücklich. Er schlich sich ins Wohnzimmer, um die Geschenke unter den Weihnachtsbaum zu legen. Dann bereitete er mit seinen Eltern alles für das Fest vor, und sie feierten ein wunderschönes Weihnachten.